Magnesium - Wundermineral oder nur Marketing?
Muskelkrämpfe? Magnesium. Müdigkeit? Magnesium. Stress? Magnesium. Aber stimmt das eigentlich? Ein kritischer Blick auf das beliebteste Supplement.
Magnesium ist der Verkaufsschlager unter den Nahrungsergänzungsmitteln. Die Regale quellen über. Die Versprechen sind groß.
Aber was ist dran?
Was Magnesium wirklich macht
Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff. Der Körper braucht ihn für über 300 enzymatische Reaktionen. Muskelkontraktion, Nervenfunktion, Energiestoffwechsel, Herzrhythmus.
Das ist unstrittig. Ein schwerer Magnesiummangel hat Folgen.
Die Frage ist nur: Haben Sie einen Mangel?
Das Problem mit der Diagnose
Der klassische Bluttest misst Magnesium im Serum. Das Problem: Der Körper hält den Serumspiegel lange stabil, auch wenn die Speicher schon leer sind.
Ein normaler Serumspiegel schließt einen Mangel nicht aus. Die Wahrheit ist: Einen leichten Magnesiummangel sicher nachzuweisen ist schwierig.
Die Wadenkrampf-Legende
Wadenkrämpfe und Magnesium - diese Verbindung ist fest verankert.
Die Studienlage ist ernüchternd. Eine Cochrane-Analyse fand: Bei nächtlichen Wadenkrämpfen ist Magnesium kaum wirksamer als Placebo.
Oft stecken andere Ursachen dahinter: Fehlbelastung, Durchblutungsstörungen, Medikamentennebenwirkungen.
Was die Wissenschaft sagt
Es gibt Hinweise, dass Magnesium bei bestimmten Beschwerden helfen kann:
- Migräneprophylaxe: Die Datenlage ist recht gut. 400-600 mg täglich können die Häufigkeit reduzieren.
- Prämenstruelles Syndrom: Einige Studien zeigen positive Effekte.
- Blutdruck: Kleine, aber messbare Senkung möglich.
Bei vielen anderen beworbenen Anwendungen - Stress, Müdigkeit, allgemeines Wohlbefinden - ist die Evidenz dünn.
Mein Fazit
Magnesium ist kein Wundermittel. Es ist auch kein Betrug.
Es ist ein wichtiger Mineralstoff, den manche Menschen nicht ausreichend bekommen. Für diese kann Supplementierung sinnvoll sein.
Aber die Vorstellung, dass ein Magnesiumpräparat automatisch alle Probleme löst, ist Wunschdenken. Unterstützt durch geschicktes Marketing.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt.
Dr. med. Jan Sturm
Facharzt für Allgemeinmedizin, Betriebsmediziner und Ernährungsmediziner
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