Prävention 13. Januar 2026 6 Min. Lesezeit

Alkohol - Die unbequeme Wahrheit über das Feierabendbier

Ein Glas Rotwein ist gut fürs Herz. Das haben wir alle gehört. Nur stimmt es leider nicht. Was die Wissenschaft heute wirklich sagt.

Alkohol - Die unbequeme Wahrheit über das Feierabendbier

Lange galt: Ein Gläschen am Abend ist gesund. Gut fürs Herz. Schützt vor Herzinfarkt.

Diese Vorstellung war bequem. Wer wollte das nicht glauben?

Nur: Sie stimmt nicht. Die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt. Und die neue Erkenntnis ist unbequem.


Der Mythos vom gesunden Glas Wein

Jahrelang zeigten Studien, dass moderate Trinker gesünder sind als Abstinenzler. Daraus schloss man: Alkohol in Maßen ist gut.

Das Problem: Diese Studien hatten einen Denkfehler. Unter den Abstinenzlern waren viele ehemalige Trinker. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hatten.

Neue Studien, die diesen Fehler korrigieren, zeigen ein anderes Bild: Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Jedes Glas erhöht das Risiko. Für Krebs. Für Lebererkrankungen. Für Herzrhythmusstörungen.


Was Alkohol im Körper anrichtet

Alkohol ist ein Zellgift. Der Körper behandelt ihn als das, was er ist: etwas, das schnellstmöglich abgebaut werden muss.

Dabei entstehen schädliche Abbauprodukte. Acetaldehyd zum Beispiel. Ein nachgewiesenes Karzinogen. Es schädigt die DNA. Erhöht das Krebsrisiko.

Das Risiko steigt mit jeder Einheit Alkohol. Es gibt keine Schwelle, unter der Alkohol harmlos wäre.


Warum wir das nicht hören wollen

Alkohol ist kulturell akzeptiert. Überall. Auf jeder Feier, bei jedem Geschäftsessen, nach jedem Fußballspiel.

Wer nicht trinkt, muss sich rechtfertigen. Wer zu viel trinkt, wird lange nicht hinterfragt.

Ich sage meinen Patienten nicht, dass sie nie wieder Alkohol trinken dürfen. Das wäre unrealistisch. Und bevormundend.

Aber ich sage ihnen die Wahrheit: Jedes Glas ist ein kleines Risiko. Ob Sie das Risiko eingehen wollen, ist Ihre Entscheidung.


Was ich mir wünsche

Ich wünsche mir einen ehrlicheren Umgang mit Alkohol.

Nicht Prohibition. Nicht erhobene Zeigefinger. Aber Ehrlichkeit.

Alkohol ist ein Genussmittel und ein Zellgift. Beides gleichzeitig. Die Geselligkeit hat ihren Preis.

Wer das weiß und trotzdem trinkt, tut das informiert. Das ist okay.

Wer trinkt, weil er glaubt, es sei gesund - der sollte das hier lesen.


Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Ihr Trinkverhalten hinterfragen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

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Dr. med. Jan Sturm

Dr. med. Jan Sturm

Facharzt für Allgemeinmedizin, Betriebsmediziner und Ernährungsmediziner

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