Alkohol - Die unbequeme Wahrheit über das Feierabendbier
Ein Glas Rotwein ist gut fürs Herz. Das haben wir alle gehört. Nur stimmt es leider nicht. Was die Wissenschaft heute wirklich sagt.
Lange galt: Ein Gläschen am Abend ist gesund. Gut fürs Herz. Schützt vor Herzinfarkt.
Diese Vorstellung war bequem. Wer wollte das nicht glauben?
Nur: Sie stimmt nicht. Die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt. Und die neue Erkenntnis ist unbequem.
Der Mythos vom gesunden Glas Wein
Jahrelang zeigten Studien, dass moderate Trinker gesünder sind als Abstinenzler. Daraus schloss man: Alkohol in Maßen ist gut.
Das Problem: Diese Studien hatten einen Denkfehler. Unter den Abstinenzlern waren viele ehemalige Trinker. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hatten.
Neue Studien, die diesen Fehler korrigieren, zeigen ein anderes Bild: Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Jedes Glas erhöht das Risiko. Für Krebs. Für Lebererkrankungen. Für Herzrhythmusstörungen.
Was Alkohol im Körper anrichtet
Alkohol ist ein Zellgift. Der Körper behandelt ihn als das, was er ist: etwas, das schnellstmöglich abgebaut werden muss.
Dabei entstehen schädliche Abbauprodukte. Acetaldehyd zum Beispiel. Ein nachgewiesenes Karzinogen. Es schädigt die DNA. Erhöht das Krebsrisiko.
Das Risiko steigt mit jeder Einheit Alkohol. Es gibt keine Schwelle, unter der Alkohol harmlos wäre.
Warum wir das nicht hören wollen
Alkohol ist kulturell akzeptiert. Überall. Auf jeder Feier, bei jedem Geschäftsessen, nach jedem Fußballspiel.
Wer nicht trinkt, muss sich rechtfertigen. Wer zu viel trinkt, wird lange nicht hinterfragt.
Ich sage meinen Patienten nicht, dass sie nie wieder Alkohol trinken dürfen. Das wäre unrealistisch. Und bevormundend.
Aber ich sage ihnen die Wahrheit: Jedes Glas ist ein kleines Risiko. Ob Sie das Risiko eingehen wollen, ist Ihre Entscheidung.
Was ich mir wünsche
Ich wünsche mir einen ehrlicheren Umgang mit Alkohol.
Nicht Prohibition. Nicht erhobene Zeigefinger. Aber Ehrlichkeit.
Alkohol ist ein Genussmittel und ein Zellgift. Beides gleichzeitig. Die Geselligkeit hat ihren Preis.
Wer das weiß und trotzdem trinkt, tut das informiert. Das ist okay.
Wer trinkt, weil er glaubt, es sei gesund - der sollte das hier lesen.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Ihr Trinkverhalten hinterfragen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Dr. med. Jan Sturm
Facharzt für Allgemeinmedizin, Betriebsmediziner und Ernährungsmediziner
Mehr über mich →Ähnliche Artikel

Check-up ab 35 - Was wirklich gemacht wird (und was nicht)
Alle drei Jahre zum Gesundheits-Check. Aber was passiert da eigentlich? Und reicht das aus? Ein Blick hinter die Kulissen der Vorsorge.
Weiterlesen
Magnesium - Wundermineral oder nur Marketing?
Muskelkrämpfe? Magnesium. Müdigkeit? Magnesium. Stress? Magnesium. Aber stimmt das eigentlich? Ein kritischer Blick auf das beliebteste Supplement.
Weiterlesen