Prävention 30. Dezember 2025 6 Min. Lesezeit

Blutdruck - Die stille Gefahr, die viele unterschätzen

160/95. Keine Symptome. Kein Problem? Warum Bluthochdruck so tückisch ist - und was Sie wirklich darüber wissen sollten.

Blutdruck - Die stille Gefahr, die viele unterschätzen

"Aber ich fühle mich doch gut!"

Das sagen mir Patienten oft, wenn ich ihnen erkläre, dass ihr Blutdruck zu hoch ist. 160/95. Manchmal 170/100. Keine Kopfschmerzen, kein Schwindel, keine Beschwerden.

Genau das ist das Problem.


Der heimliche Killer

Bluthochdruck verursacht lange Zeit keine Symptome. Jahre. Manchmal Jahrzehnte. Während er im Stillen Ihre Gefäße schädigt.

Stellen Sie sich einen Gartenschlauch vor, durch den ständig zu viel Druck gepumpt wird. Die Wände werden porös. Rissig. Mit der Zeit undicht.

So ähnlich ergeht es Ihren Arterien. Die innere Gefäßwand wird beschädigt. Dort lagert sich Cholesterin ein. Plaques entstehen. Die Gefäße werden enger und starrer.

Bis eines Tages etwas passiert. Ein Herzinfarkt. Ein Schlaganfall. Eine Niereninsuffizienz.

Der Blutdruck war schon zehn Jahre vorher zu hoch. Aber es hat niemand gemerkt.


Die Zahlen

Normal: unter 120/80 mmHg. Hochnormal: 120-139/80-89 mmHg. Bluthochdruck Grad 1: 140-159/90-99 mmHg. Bluthochdruck Grad 2: 160-179/100-109 mmHg. Bluthochdruck Grad 3: über 180/110 mmHg.

In Deutschland hat fast jeder dritte Erwachsene Bluthochdruck. Etwa die Hälfte davon weiß es nicht. Von denen, die es wissen, erreicht nur ein Teil die Zielwerte.

Das sind erschreckende Statistiken. Und vermeidbar.


Was den Blutdruck hochtreibt

Manche Faktoren können Sie nicht ändern: Genetik, Alter, Geschlecht.

Aber vieles liegt in Ihrer Hand:

  • Übergewicht: Jedes Kilo weniger senkt den Blutdruck
  • Bewegungsmangel: Regelmäßige Bewegung wirkt wie ein Medikament
  • Salzkonsum: Die meisten Deutschen essen zu salzig
  • Alkohol: Mehr als geringe Mengen erhöhen den Druck
  • Stress: Chronischer Stress hält den Blutdruck dauerhaft oben

Bei manchen Patienten reichen Lebensstiländerungen, um den Blutdruck zu normalisieren. Bei anderen nicht. Dann sind Medikamente notwendig.


Medikamente: Nicht Feind, sondern Helfer

Viele scheuen sich vor Blutdruckmedikamenten. Lebenslang Tabletten? Das klingt abschreckend.

Aber die Alternative ist schlimmer. Ein Schlaganfall. Eine Dialyse. Ein Leben mit schwerer Behinderung.

Moderne Blutdruckmedikamente sind gut verträglich. Die Effekte sind enorm: Sie senken das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um 30-40 Prozent.


Was ich meinen Patienten sage

Ich verstehe, dass niemand gerne Tabletten nimmt. Ich verstehe auch, dass es schwer ist, etwas zu behandeln, das man nicht spürt.

Aber Bluthochdruck ist kein Lifestyle-Problem. Es ist eine ernste Erkrankung, die ernsthafte Folgen haben kann.

Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig messen. Ab 35 gehört das zum Check-up. Wenn er erhöht ist, nehmen Sie es ernst.

Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken.


Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrem Blutdruck wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

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Dr. med. Jan Sturm

Dr. med. Jan Sturm

Facharzt für Allgemeinmedizin, Betriebsmediziner und Ernährungsmediziner

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